Untreue in Beziehungen – Hintergründe, Folgen & Wege zur Heilung

Ein Seitensprung, eine emotionale Verstrickung mit einer dritten Person, oder heimliche Online-Affären – wenn einer der Partner untreu wird, erleben die meisten Paare eine tiefe Vertrauenskrise. Untreue gilt als einer der häufigsten Gründe für Beziehungskonflikte und Scheidungen; sie führt zu emotionalem Schmerz, Verlust von Intimität und vielfach zu Identitätskrisen innerhalb der Partnerschaft. Gleichzeitig zeigen Forschung und klinische Praxis: Eine Paartherapie bei Untreue kann helfen, Verletzungen zu verstehen, Beziehungsmuster zu erkennen und – wenn gewünscht – Vertrauen wieder aufzubauen.

Im Folgenden beleuchten wir, wie Untreue entsteht, welche psychologischen Mechanismen beteiligt sind und wie systemisch orientierte Paartherapie bei Untreue wirksam unterstützt.

Paartherapie bei Untreue

Wir am Institut für Beziehungsdynamik

Wir am Berliner Institut für Beziehungsdynamik, gegründet 2006, bieten im Schwerpunkt Paartherapie, Sexualtherapie und Körperpsychotherapie an.

In sexualtherapeutischen Sitzungen unterstützen wir unzählige Paare in Berlin und im deutschsprachigen Raum dabei, ihre sexuelle Unlust zu überwinden.

Die wissenschaftliche Literatur zeigt dazu ein differenzierteres Bild. Aktuelle Arbeiten zur sexuellen Unlust in langjährigen Beziehungen machen deutlich, dass Schwankungen des sexuellen Verlangens ein normales relationales Phänomen sind und keineswegs automatisch pathologisch zu verstehen sind. Um dieses Thema fachlich fundiert einzuordnen, ist es notwendig, biologische, psychologische und beziehungsdynamische Aspekte gemeinsam zu betrachten.

Sexuelle Unlust in langjährigen Beziehungen ist eines unserer häufigsten Themen in Paartherapie und Paarberatung in Berlin. Sie suchen Unterstützung im Rahmen einer Einzeltherapie/ Psychotherapie oder Paartherapie? Dann nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf.

Wie häufig ist Untreue?

Untersuchungen zeigen, dass Untreue kein seltenes Phänomen ist. Je nach Studie geben 20–40 % der Befragten an, schon einmal in einer festen Partnerschaft untreu gewesen zu sein (z. B. Deutschlandfunk Kultur).

Unterschiede bestehen zwischen sexueller, emotionaler und digitaler Form der Untreue, und je nach Definition variieren die Prävalenzzahlen. Eine Standardstudie mit über 500 Teilnehmenden fand eine ungefähre Rate von 42 % für extradyadisches Verhalten (also Handlungen außerhalb der vereinbarten Beziehungsexklusivität).

Solche Zahlen machen deutlich: Untreue ist kein Randphänomen, sondern gehört zum Spektrum romantischer Beziehungen.

Ursachen – Warum Menschen untreu werden

Untreue und Bindungsstile

Die Ursachen für Untreue sind vielfältig und reichen über einfache Erklärungen wie „Langeweile“ oder „Mangel an Sex“ hinaus. Wissenschaftliche Studien identifizieren mehrere miteinander verknüpfte Faktoren:

1. Bindungsstile und psychologische Muster

Eine umfangreiche systematische Analyse zeigt, dass Personen mit unsicheren Bindungsstilen – sowohl ängstlich als auch vermeidend – häufiger zu Untreue neigen als sicher gebundene Partner.

Unsichere Bindungsstile beeinflussen, wie Nähe, Vertrauen und Konflikte erlebt werden – und können die Neigung verstärken, emotionale oder sexuelle Nähe außerhalb der Partnerschaft zu suchen.

2. Emotionale und sexuelle Bedürfnisse

Emotionale Nähe, Intimität und sexuelle Befriedigung sind zentrale Bedürfnisse in Beziehungen. Wenn diese Bedürfnisse wiederholt nicht erfüllt werden, steigt das Risiko für Untreue. Kommunikationsprobleme, mangelnde Dialogbereitschaft und nicht ausgesprochene Wünsche verstärken diese Dynamik.

3. Commitment und Beziehungsqualität

Studien zeigen, dass ein starkes Commitment – also die Bereitschaft, langfristige Bindung und Exklusivität zu erhalten – entscheidend ist für das Erleben von Treue. Gleichzeitig hängt geringere Beziehungszufriedenheit mit einem erhöhten Risiko für Untreue zusammen.

4. Situative und soziale Faktoren

Stress, belastende Lebensphasen, berufliche Reisen oder Suchtverhalten können situative Risikofaktoren sein. Eine US-Studie unter mehr als 1.000 Erwachsenen zeigte, dass in stressigen Phasen das Risiko für Untreue höher war – insbesondere bei Männern ohne Kinder.

Die psychologische Dimension von Untreue

Die Erfahrung, betrogen zu werden, geht weit über den rein «faktischen» Vertrauensbruch hinaus. Forschung zeigt, dass Untreue emotionale Reaktionen wie Eifersucht, Wut, Angst, Scham und Verlust des Selbstwertgefühls auslösen kann.

Bei vielen Betroffenen entstehen Stressreaktionen, die teilweise denen posttraumatischer Belastungen ähneln. Eine systematische Untersuchung schlägt vor, dass Untreue in manchen Fällen als «Attachment Trauma» erlebt wird – ein Verletzungstrauma der Bindung, das besonders tief sitzt, wenn emotionale Sicherheit und Verlässlichkeit zentral waren.

Damit wird klar: Untreue ist nicht nur ein Verhaltensereignis, sondern ein tiefgehendes Beziehungsereignis, das systemische und psychologische Prozesse berührt.


Ist jede Paartherapie bei Untreue gleich?

Nein. Nicht jede therapeutische Begleitung ist gleichermaßen wirkungsvoll. Effektive Therapie berücksichtigt mehrere Aspekte:

  • Emotionale Stabilisierung: Der Schock nach einer Affäre kann initial so überwältigend sein, dass ein sicherer Rahmen zur emotionalen Verarbeitung nötig ist.
  • Verhaltensanalyse: Welche Dynamiken, Kommunikationsmuster und individuellen Muster haben zur Untreue beigetragen?
  • Beziehungskontext verstehen: Oft sind wiederkehrende Beziehungsthemen, unbewusste Muster aus früheren Bindungen oder familiären Erfahrungen (z. B. Erziehungs- oder Bindungserfahrungen) implizit wirksam.
  • Transparenz und Verantwortung: Für Heilung ist es zentral, dass die betrogene Person emotionale Offenheit erlebt und der untreue Partner Verantwortung übernimmt.


Wichtig ist dabei: Ziel einer Paartherapie bei Untreue ist nicht moralische Schuldzuweisung, sondern Verstehen und Ordnungsarbeit innerhalb der Beziehung.

Paartherapie bei Untreue in Berlin

Wirkung von Paartherapie bei Untreue

Empirische Studien geben Hinweise darauf, dass Paare, die sich nach einer Affäre in Therapie begeben, langfristig Fortschritte machen können:

  • Eine kontrollierte Studie zur Paartherapie nach einer Affäre zeigte, dass individuelle Beschwerden und Beziehungsspannungen reduziert werden können – wenn auch nicht alle Paare sofort eine vollständige Verbesserung der Beziehungszufriedenheit erzielten.
  • Eine andere Untersuchung ergab, dass Paare mit Infidelity-Hintergrund zu Therapiebeginn stärker belastet sind, aber im Verlauf der Therapie und bis sechs Monate danach ähnlich positive Verbesserungen zeigen wie Paare ohne Untreuegeschichte.


Zudem weist qualitative Forschung darauf hin, dass Heilung ein Prozess aus mehreren Phasen ist, etwa: Exploration von Gefühlen, empathischer Austausch, Verantwortungsübernahme, Vertrauensaufbau und – in manchen Fällen – Neuausrichtung der Beziehung.

Heilung – Ja, aber wie?

Viele Paare erleben nach Untreue zunächst Verzweiflung, Misstrauen und Wut. Der Prozess zur Heilung ist kein linearer Weg, sondern ein komplexer Übergang von Schmerz zu Verstehen und – bei manchen Paaren – zu neuer Verbindung.

Forscher sprechen von posttraumatischem Wachstum nach Untreue: In manchen Fällen berichten Paare, dass sie durch die Krise stärker miteinander kommunizieren und sich näherkommen als zuvor.

Elemente einer wirkungsvollen Paartherapie bei Untreue

Die therapeutische Praxis zeigt, dass folgende Komponenten besonders wichtig sind:

1. Aufbau emotionaler Sicherheit

Nach einem Vertrauensbruch ist das emotionale System des Paares dysreguliert. Die Therapie schafft einen sicheren Rahmen für ehrliche Kommunikation ohne Schuldzuweisung.

2. Förderung von Empathie und Verständigung

Partner lernen, die emotionalen Bedürfnisse des anderen zu verstehen und auf non-moralische Weise über Verletzungen zu sprechen.

3. Reflexion von Beziehungsmustern

Die Therapie beleuchtet wiederkehrende Beziehungsmuster – etwa wie Konflikte eskalieren, wie Nähe und Distanz reguliert werden oder wie Stress die Kommunikation beeinflusst.

4. Fokus auf strukturelle Bedingungen

Oft liegen der Untreue komplexe Dynamiken zugrunde, etwa Bindungsängste, Selbstwert-Regulationsprobleme oder biografische Muster. Diese werden therapeutisch bearbeitet.

5. Aufbau neuer Verhaltensweisen

Neben emotionaler Integration geht es auch um Alltagsveränderungen: Verlässlichkeit, Transparenz und gegenseitige Rücksicht werden Schritt für Schritt eingeführt.

Untreue als Beziehungsgeschehen verstehen

Untreue ist kein simplifiziertes Ritual des Verrats, sondern ein vielschichtiges Beziehungsphänomen mit psychologischen, biografischen und kommunikativen Anteilen. Die Ursachen reichen von Bindungsunsicherheiten über unerfüllte Bedürfnisse bis hin zu situativen Belastungen.

Die Forschung zeigt: Eine Paartherapie bei Untreue kann stabilisierend wirken, Beziehungsmuster offenlegen und zur Neubewertung und – wenn gewünscht – Neuausrichtung der Beziehung beitragen. Sie bietet Raum, Verletzungen zu benennen, Verantwortung zu übernehmen und neue, respektvolle Umgangsformen zu entwickeln.

Wenn Sie oder Ihr Partner von Untreue betroffen sind, kann eine fundierte, systemisch orientierte Paartherapie bei Untreue ein Weg sein, emotionalen Schmerz zu verarbeiten, Beziehungsmuster zu erkennen und bewusste Entscheidungen über die Zukunft Ihrer Partnerschaft zu treffen.

Wissenschaftlich fundierte Studien & Quellen