Allein klappt es zuverlässig, mit dem Partner dagegen selten oder nie: Diese Erfahrung kennen viele Frauen – und kaum jemand spricht darüber. Oft folgt die stille Frage, ob mit dem eigenen Körper etwas nicht stimmt. Eine im September 2026 veröffentlichte Studie aus der Schweiz gibt darauf eine klare Antwort: Wer bei der Selbstbefriedigung zum Orgasmus kommt, hat in aller Regel kein körperliches Problem. Was sich zu zweit verändert, ist die Situation. In diesem Beitrag erklärt der Paar- und Sexualtherapeut Robert A. Coordes, was hinter dem sogenannten Orgasmus-Gap steckt, wann man von einer Orgasmusstörung spricht – und was dir und euch als Paar wirklich helfen kann.
Orgasmus allein ja, beim Sex nein: Wie häufig ist das?
Sehr häufig. Ein Forschungsteam um Lenya Koechlin von der Universität Basel hat über 2.200 heterosexuelle Frauen und Männer aus der Schweiz und der EU befragt; die Ergebnisse erschienen im September 2026 in der Fachzeitschrift Sex Roles. Beim Sex mit dem Partner erleben 56,3 Prozent der Frauen oft bis immer einen Orgasmus, bei den Männern sind es 94,2 Prozent. Bei der Selbstbefriedigung dagegen kommen 94,2 Prozent der Frauen oft bis immer zum Höhepunkt – fast genauso viele wie Männer (97,3 Prozent).
Anders gesagt: Allein liegen Frauen und Männer nur gut 3 Prozentpunkte auseinander, zu zweit fast 38. Und es geht dabei nicht nur um Zahlen. 22,6 Prozent der befragten Frauen sind mit der Häufigkeit ihrer Orgasmen beim Partnersex ausdrücklich unzufrieden. Die verbreitete Vorstellung, Frauen sei der eigene Orgasmus ohnehin nicht so wichtig, lässt sich mit diesen Daten nicht halten.
Kurz erklärt: Was ist der Orgasmus-Gap?
Als Orgasmus-Gap (Orgasmus-Lücke) bezeichnet die Sexualforschung den Unterschied, dass Frauen beim heterosexuellen Sex deutlich seltener und weniger verlässlich zum Orgasmus kommen als Männer. Bei der Selbstbefriedigung ist dieser Unterschied sehr klein. Das spricht dafür, dass die Lücke vor allem mit dem Ablauf, den Erwartungen und der Kommunikation beim gemeinsamen Sex zu tun hat – und nicht mit dem weiblichen Körper.
Die Studie hat nur cisgeschlechtliche, heterosexuelle Personen ausgewertet, überwiegend junge und akademisch gebildete Menschen aus der Schweiz. Sie ist also nicht repräsentativ für Deutschland. Die Richtung der Ergebnisse deckt sich aber mit vielen internationalen Untersuchungen. Auch Männer kennen übrigens das Muster „allein ja, zu zweit nicht“ – etwa als verzögerten oder ausbleibenden Samenerguss beim Partnersex. Dieser Beitrag konzentriert sich auf Frauen, weil sich die aktuellen Zahlen auf sie beziehen.
Dein Körper kann es – zu zweit ist die Situation eine andere
Wenn derselbe Körper allein zuverlässig reagiert und zu zweit nicht, liegt die Ursache selten in der Anatomie. Das zeigt auch ein Blick über die Schweizer Studie hinaus: In einer großen US-Erhebung mit über 52.000 Teilnehmenden (Frederick et al., 2018) berichteten lesbische Frauen deutlich häufiger als heterosexuelle Frauen, beim Sex meistens oder immer einen Orgasmus zu erleben. Der Körper ist derselbe – verschieden ist, was beim Sex üblicherweise geschieht.
Was sich zu zweit verändert, ist vor allem dreierlei: Eine zweite Person ist da, mit eigenen Wünschen und Erwartungen. Es gibt einen gewohnten Ablauf, der oft wenig mit dem zu tun hat, was dir allein guttut. Und es kommen Gefühle ins Spiel, die allein kaum eine Rolle spielen: Scham, die Sorge, zu lange zu brauchen, oder der Wunsch, den Partner nicht zu enttäuschen.
Bemerkenswert ist ein weiterer Befund: Rund 94 Prozent der Befragten kannten sich mit der Anatomie der Vulva gut aus. Dieses Wissen hing mit Orgasmen bei der Selbstbefriedigung zusammen – mit Orgasmen beim Partnersex aber nicht. Es fehlt also selten an Wissen. Es wird nur in der gemeinsamen Situation nicht umgesetzt.
„Wer allein zum Orgasmus kommt, hat kein Defizit – sondern einen Schlüssel, der zu zweit noch nicht benutzt wird.“
- 94,2 % der Frauen kommen bei der Selbstbefriedigung oft bis immer zum Orgasmus
- Beim Sex mit dem Partner sind es nur 56,3 % – bei Männern 94,2 %
- Nur 9,6 % der Frauen reicht Penetration allein für einen Orgasmus
- Frauen, die sagen, was ihnen gefällt, kommen deutlich häufiger zum Orgasmus
Das Drehbuch im Kopf: Warum Penetration selten reicht
Fast alle Befragten (98,7 Prozent) verstehen unter „Sex haben“ den Geschlechtsverkehr. Oralsex zählen knapp drei Viertel dazu, Streicheln und manuelle Stimulation nur gut die Hälfte. Gleichzeitig sagen nur 9,6 Prozent der Frauen, dass Penetration allein für ihren Orgasmus ausreicht. Die Hälfte braucht zusätzlich die Stimulation der Klitoris, für weitere 18,6 Prozent wird der Orgasmus dadurch besser.
In der Sexualwissenschaft spricht man von sexuellen Skripten: verinnerlichten Drehbüchern darüber, wie Sex „richtig“ abläuft. Das verbreitete Skript lautet oft: ein wenig Vorspiel, dann Geschlechtsverkehr, sein Orgasmus, Ende. Was dir allein zum Höhepunkt verhilft, kommt darin häufig nur als „Vorspiel“ vor – oder gar nicht. Wie solche Prägungen entstehen und wie man in der Sexualtherapie mit ihnen arbeitet, beschreiben wir ausführlicher im Beitrag „Was ist Sex? Sexuelle Skripte und ihre Wirkung“.
Die Studie zeigt auch, dass sich das Drehbuch lohnt zu erweitern. Frauen, die Streicheln und Berühren mit der Hand selbstverständlich zum Sex zählen, kommen häufiger zum Orgasmus (60,4 gegenüber 52 Prozent), bei Oralsex ist es ähnlich. Das sind keine riesigen Unterschiede, aber sie zeigen in eine klare Richtung: Was beim gemeinsamen Sex vorkommen darf, macht einen Unterschied.
Drei innere Hindernisse, die wir in der Praxis häufig erleben
Zahlen erklären, dass etwas fehlt – aber nicht, warum Frauen, die genau wissen, was ihnen guttut, es zu zweit trotzdem nicht einbringen. In der Beziehungsdynamischen Paar- und Sexualtherapie begegnen uns dabei immer wieder dieselben inneren Hindernisse. Sie sind keine Charakterschwäche, sondern meist sinnvolle Schutzstrategien, die irgendwann zu eng geworden sind:
Druck
Statt zu spüren, beobachtest du dich: Dauert es zu lange? Wird er ungeduldig? Diese innere Kontrolle bremst die Erregung genau dann, wenn sie wachsen könnte.
Schonung
Du willst den Partner nicht kränken oder verunsichern. Also sagst du nichts, nimmst, was kommt – und spielst vielleicht sogar einen Orgasmus vor. Kurzfristig schützt das, langfristig verfestigt es das Muster.
Bescheidenheit
Die eigene Lust darf nicht zu viel Raum einnehmen. In der Studie kamen Frauen, denen ihr Orgasmus wichtig ist, dreimal häufiger zum Höhepunkt als Frauen, die ihn für unwichtig halten.
Gerade der letzte Punkt ist bemerkenswert: Die Bewertung des eigenen Orgasmus war der stärkste Zusammenhang der ganzen Studie (69,9 gegenüber 22,2 Prozent). In welche Richtung er wirkt, lässt sich aus einer einmaligen Befragung nicht sagen. Wahrscheinlich in beide: Wer selten zum Orgasmus kommt, senkt irgendwann die eigenen Erwartungen – und wer wenig erwartet, setzt sich weniger dafür ein.
Was zurückgehalten wird: Wenn der Orgasmus nicht gezeigt werden darf
In der Beziehungsdynamischen Sexualtherapie richten wir den Blick besonders auf das, was nicht ausgedrückt wird. Oft prägen gerade die tabuisierten Gefühle, Wünsche und Ängste das sexuelle Erleben am stärksten – also das, was in der eigenen Geschichte oder in der Beziehung nicht gezeigt werden darf. Wer vieles zurückhält, hält unter Umständen auch die Erregung zurück. Und manchmal auch den Orgasmus.
Denn ein Orgasmus ist mehr als ein körperlicher Reflex. Im Moment des Höhepunkts ist man hingegeben, offen und für einen Augenblick ohne Kontrolle. Allein fällt das oft leicht, weil niemand zuschaut. Vor einem anderen Menschen kann genau diese Offenheit bedrohlich wirken. Manche erleben es unbewusst wie eine Niederlage, sich so zu zeigen – als würden sie sich ausliefern oder dem anderen etwas überlassen, das sie lieber für sich behalten. Andere haben erfahren, dass ihre Offenheit und Schutzlosigkeit verletzt wurden, und ihr Körper hat gelernt, in Nähe vorsichtig zu bleiben.
Das ist nicht immer so, und es lässt sich nicht von außen ablesen. Aber es kann ein Grund sein, warum ein Orgasmus allein möglich ist und zu zweit nicht. Therapeutisch geht es dann nicht darum, die Kontrolle mit Willenskraft aufzugeben. Es geht darum, den schützenden Anteil zu verstehen, ihm eine Stimme zu geben, statt ihn zu übergehen – und behutsam herauszufinden, wie viel Hingabe sich in dieser Beziehung sicher anfühlen darf. Wo frühere Verletzungen eine Rolle spielen, braucht es ein traumasensibles Vorgehen in deinem eigenen Tempo.
Sprechen macht einen Unterschied
Von den Frauen, die oft bis immer zum Orgasmus kommen, sagen 89,4 Prozent, dass sie beim Sex aussprechen, was ihnen gefällt. Bei Frauen, die selten zum Orgasmus kommen, sind es 62 Prozent. Auch eine Metaanalyse über 48 Studien (Mallory et al., 2019) beschreibt einen Zusammenhang zwischen sexueller Kommunikation und sexueller Zufriedenheit. Hinzu kommt der Beziehungskontext: Frauen in festen Beziehungen und Frauen, die häufiger Sex haben, berichten häufiger von Orgasmen – die Zahl früherer Partner spielte dagegen keine Rolle. Es kommt also weniger auf Erfahrung an als auf Vertrautheit und Verständigung.
Wann der Körper mitreden darf
Auch wenn das Muster „allein ja, zu zweit nicht“ meist nichts mit dem Körper zu tun hat: Bei Schmerzen beim Sex, bei verändertem Empfinden, nach Operationen oder Geburten und bei Medikamenten mit möglichen sexuellen Nebenwirkungen – etwa bestimmten Antidepressiva – gehört eine ärztliche Abklärung dazu. Das gilt besonders, wenn der Orgasmus auch allein schwieriger geworden ist.
Ist das eine Orgasmusstörung?
Nicht automatisch. Von einer Orgasmusstörung bei Frauen spricht man erst, wenn der Orgasmus über längere Zeit ausbleibt, deutlich verzögert oder kaum spürbar ist und du darunter leidest. Der Leidensdruck ist entscheidend: Wer mit seiner Sexualität zufrieden ist, hat kein Problem – auch wenn der Orgasmus nicht bei jedem Sex dazugehört.
Die Autorinnen und Autoren der Schweizer Studie warnen ausdrücklich davor, Frauen vorschnell eine Störung zuzuschreiben. Bevor man von einer Orgasmusstörung spricht, sollte geprüft werden, ob die Art der Stimulation überhaupt zu dir passt und welche Rolle die Beziehung spielt. Wer allein zuverlässig zum Orgasmus kommt, hat damit bereits gezeigt, dass die Fähigkeit vorhanden ist.
Hilfreich ist eine ehrliche Bestandsaufnahme: Wie sehr belastet dich die Situation? Wie geht es deinem Partner damit? Ist der Orgasmus für dich selbst wichtig – oder vor allem, weil er erwartet wird? Mehr Hintergrund zu Körper und Erregung findest du in unserem Beitrag zum weiblichen Orgasmus.
Was du selbst ausprobieren kannst
Vieles lässt sich verändern, ohne dass gleich eine Therapie nötig ist. Diese fünf Schritte setzen genau an den Bedingungen an, die in der Studie mit mehr Orgasmen einhergingen:
- Übertragen, was allein funktioniert. Dieselbe Art der Berührung, dasselbe Tempo, dieselbe Position – auch zu zweit. Deine eigene Hand oder ein Vibrator beim gemeinsamen Sex sind keine Notlösung, sondern ein naheliegender Weg.
- Das Drehbuch erweitern. Streicheln, Oralsex und Berühren mit der Hand sind Sex – nicht nur Vorspiel. Der Geschlechtsverkehr muss weder der Höhepunkt noch das Ende sein.
- Vorher sprechen, nicht erst im Bett. Ein ruhiger Moment und ein einfacher Satz reichen oft: „Ich möchte etwas ausprobieren.“ Wer möchte, kann sich am Zwiegespräch orientieren.
- Zeit nehmen und den Gleichzeitigkeitsanspruch loslassen. Erregung braucht Raum. Nacheinander zum Orgasmus zu kommen, ist kein Mangel.
- Die eigene Lust ernst nehmen. Dein Orgasmus ist nicht weniger wichtig als der deines Partners. Diese Haltung ist oft wirksamer als jede Technik.
Für Partner: Was du beitragen kannst
Der Orgasmus deiner Partnerin ist kein Leistungsnachweis – und ihr Ausbleiben kein Versagen. Frag nach, ohne zu bewerten. Lass dich führen. Und sorge dafür, dass ihre Lust nicht erst dann Raum bekommt, wenn deine schon vorbei ist. Wer den Druck herausnimmt, macht Offenheit erst möglich.
Wie Paar- und Sexualtherapie helfen kann
Manchmal reicht der gute Vorsatz nicht – etwa wenn das Thema seit Jahren schwelt, wenn Scham das Gespräch blockiert oder wenn sich in der Beziehung ein festes Muster gebildet hat: Er fühlt sich verantwortlich und gekränkt, sie schützt ihn, indem sie wenig verlangt. Keiner der beiden hat dieses Muster bewusst gewählt, und doch halten es beide aufrecht.
In der Sexualtherapie am Institut für Beziehungsdynamik schauen wir deshalb nicht nur auf das Symptom, sondern auf das Zusammenspiel: zwischen euch als Paar und zwischen deinen inneren Anteilen – dem Teil, der Lust will, und dem Teil, der sie aus Angst oder Gewohnheit zurückhält. Dieser Blick auf das „Dazwischen“ ist der Kern des Beziehungsdynamischen Ansatzes, den wir seit 2006 entwickeln. Wir arbeiten gesprächs-, erlebnis- und körperorientiert: Wie verändern sich Atmung, Spannung und Wahrnehmung, sobald ein Gegenüber im Raum ist? Was wird spürbar, wenn das Unausgesprochene einen Platz bekommt? Das ist sowohl in der Einzel- als auch in der Paartherapie möglich, in Berlin-Schöneberg oder als Online-Therapie.
Zur Einordnung: Für psychologische Behandlungen sexueller Funktionsstörungen zeigt eine Metaanalyse über 20 kontrollierte Studien (Frühauf et al., 2013) mittlere Effekte auf Beschwerden und sexuelle Zufriedenheit; für Orgasmusschwierigkeiten bei Frauen ist die Datenlage vergleichsweise gut. Ein bestimmtes Ergebnis kann keine Therapie versprechen – und das Ziel bestimmst du selbst.
Über den Autor: Robert A. Coordes
Robert A. Coordes ist Diplom-Psychologe, Heilpraktiker (Psychotherapie) und Sachbuchautor („Lust statt Frust“). Als Sexual- und Paartherapeut leitet er seit 2006 das Institut für Beziehungsdynamik in Berlin und bildet in seiner eigenen Fortbildung für Sexualtherapie Fachkräfte in Beziehungsdynamischer Paar- und Sexualtherapie aus.
Fazit: Die Fähigkeit ist da – sie braucht Raum in der Begegnung
Wenn du allein zum Orgasmus kommst, mit deinem Partner aber nicht, bist du in guter Gesellschaft – und dein Körper ist in aller Regel nicht das Problem. Die aktuelle Forschung zeigt: Entscheidend sind das sexuelle Drehbuch, die Art der Stimulation, die Erlaubnis, die eigene Lust wichtig zu nehmen, und die Möglichkeit, darüber zu sprechen. All das lässt sich verändern. Manchmal genügt ein neuer Blick und ein mutiges Gespräch. Und wenn ihr allein immer wieder an denselben Punkt kommt, kann eine Paar- oder Sexualtherapie helfen, das Muster zu verstehen, das ihr gemeinsam aufrechterhaltet – ohne Schuldzuweisung und ohne Leistungsdruck.
Häufige Fragen: Orgasmus allein, aber nicht mit Partner
Ist es normal, allein zum Orgasmus zu kommen, aber nicht beim Sex?
Ja, das ist sehr verbreitet. In einer Schweizer Studie von 2026 kommen 94,2 Prozent der Frauen bei der Selbstbefriedigung oft bis immer zum Orgasmus, beim Sex mit dem Partner nur 56,3 Prozent. Der Unterschied liegt meist nicht im Körper, sondern in dem, was beim gemeinsamen Sex geschieht.
Warum komme ich beim Geschlechtsverkehr nicht zum Orgasmus?
Weil Penetration allein für die meisten Frauen nicht ausreicht. Nur 9,6 Prozent der befragten Frauen kommen dadurch allein zum Orgasmus; die Mehrheit braucht zusätzlich die Stimulation der Klitoris. Hinzu kommen häufig Druck, Scham oder die Scheu, Wünsche auszusprechen.
Kann es sein, dass ich meinen Orgasmus unbewusst zurückhalte?
Ja, das ist möglich. Im Orgasmus ist man hingegeben und für einen Moment ohne Kontrolle. Vor einem anderen Menschen kann sich das ungeschützt oder sogar wie eine Niederlage anfühlen – besonders, wenn man früher erlebt hat, dass Offenheit verletzt wurde. Das trifft nicht auf alle zu, kann aber erklären, warum es allein klappt und zu zweit nicht. In der Therapie geht es dann darum, den schützenden Anteil zu verstehen, statt ihn zu übergehen.
Habe ich eine Orgasmusstörung?
Nicht automatisch. Eine Orgasmusstörung setzt voraus, dass der Orgasmus über längere Zeit ausbleibt und du darunter leidest. Vorher sollte geklärt werden, ob die Stimulation zu dir passt. Wer allein zum Orgasmus kommt, zeigt, dass die Fähigkeit vorhanden ist.
Was ist der Orgasmus-Gap?
Der Orgasmus-Gap beschreibt, dass Frauen beim heterosexuellen Sex deutlich seltener zum Orgasmus kommen als Männer. In der Schweizer Studie beträgt der Abstand beim Partnersex knapp 38 Prozentpunkte, bei der Selbstbefriedigung nur gut 3.
Hilft es, mehr über die Anatomie zu wissen?
Für die Selbstbefriedigung ja, für den Sex zu zweit offenbar kaum. In der Studie kannten sich rund 94 Prozent gut mit der Anatomie der Vulva aus – ohne dass das mit Orgasmen beim Partnersex zusammenhing. Entscheidend ist, ob das Wissen in der Begegnung umgesetzt werden darf.
Wann ist eine Sexualtherapie sinnvoll?
Wenn dich oder euch die Situation länger belastet, wenn Gespräche immer wieder scheitern oder wenn sich Druck und Rückzug gegenseitig verstärken. Sexualtherapie ist allein oder als Paar möglich. Bei Schmerzen oder verändertem Empfinden sollte zusätzlich ärztlich abgeklärt werden.
Für Fachleute: Du arbeitest selbst therapeutisch oder beratend und möchtest mit diesen Themen professionell arbeiten? Informationen zur Fortbildung in Paar- und Sexualtherapie am Institut findest du auf unserer Ausbildungsseite.
Quellen und weiterführende Literatur:
- Koechlin, L., Sartorius, G., Gonin-Spahni, S. & Haag-Wackernagel, D. (2026): Exploring the Orgasm Gap in Heterosexual Sex: A Swiss and European Online Survey. Sex Roles, 92, Artikel 58. doi:10.1007/s11199-026-01693-8
- Frederick, D. A., St. John, H. K., Garcia, J. R. & Lloyd, E. A. (2018): Differences in Orgasm Frequency Among Gay, Lesbian, Bisexual, and Heterosexual Men and Women in a U.S. National Sample. Archives of Sexual Behavior, 47(1), 273–288.
- Mallory, A. B., Stanton, A. M. & Handy, A. B. (2019): Couples‘ Sexual Communication and Dimensions of Sexual Function: A Meta-Analysis. The Journal of Sex Research, 56(7), 882–898.
- Frühauf, S., Gerger, H., Schmidt, H. M., Munder, T. & Barth, J. (2013): Efficacy of psychological interventions for sexual dysfunction: a systematic review and meta-analysis. Archives of Sexual Behavior, 42(6), 915–933.
Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung.
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