Die häufigsten Beziehungsprobleme sind selten nur „kleine Missverständnisse“. In der Praxis zeigen sich meist wiederkehrende Muster: sexuelles Begehren nimmt ab, eine Affäre erschüttert das Vertrauen, eine sexuelle Störung belastet Nähe und Selbstwert, oder Paare geraten in chronische Streitigkeiten. Genau diese Themen gehören auch im Institut für Beziehungsdynamik zu den häufigsten Anliegen in Paartherapie, Sexualtherapie und Beziehungstherapie. Auf der Ratgeber-Seite des Instituts finden sich dazu bereits zahlreiche thematisch passende Beiträge, etwa zu sexueller Unlust in langjährigen Beziehungen, Untreue in Beziehungen, Bindungsstilen, Eifersucht, Intimität, Trauma in der Paartherapie oder den „vier apokalyptischen Reitern“ nach Gottman.

Wir am Institut für Beziehungsdynamik
Wir am Berliner Institut für Beziehungsdynamik, gegründet 2006, bieten im Schwerpunkt Paartherapie, Sexualtherapie und Körperpsychotherapie an.
Seit mehr als 20 Jahren unterstützen wir Paare in Krisensitzungen. Am liebsten ist uns eine Paartherapie vor Ort, also in Präsenz.
Die Themen, mit denen Paare Unterstützung in Paartherapie oder Paarberatung aufsuchen, sind recht unterschiedlich. Wenn Sie Unterstützung suchen im Rahmen einer Einzeltherapie/ Psychotherapie oder Paartherapie, dann nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf.
In diesem Beitrag erfahren Sie, was die häufigsten Beziehungsprobleme sind und was dabei helfen kann.
Dabei ist wichtig: Viele Paare kommen zunächst mit einem Symptom – etwa „wir haben kaum noch Sex“, „es gab einen Seitensprung“ oder „wir streiten nur noch“. Im therapeutischen Prozess zeigt sich jedoch oft, dass hinter dem offensichtlichen Problem komplexe unbewusste Beziehungsdynamiken stehen. Im beziehungsdynamischen Verständnis ist das Symptom daher nicht nur Störung, sondern auch Ausdruck der Art, wie zwei Menschen miteinander in Kontakt sind, sich schützen, enttäuschen, begehren oder einander nicht mehr erreichen.
Die häufigsten Beziehungsprobleme in unserer Praxis
Wenn man nach „die häufigsten Beziehungsprobleme“, „Probleme in der Beziehung“, „Paarprobleme“ oder „wann Paartherapie sinnvoll ist“ sucht, findet man oft vereinfachte Listen. Klinisch ist die Lage differenzierter. Forschung und Praxis zeigen aber ziemlich konsistent vier besonders häufige Problemfelder:
- Verlust des sexuellen Begehrens in langjährigen Beziehungen
- Affären, Untreue und der Umgang mit Vertrauensbruch
- Sexuelle Störungen eines Partners oder beider Partner
- Chronische Streitigkeiten, Eskalationen und Rückzug
Diese vier Bereiche überschneiden sich oft. Sexuelle Probleme entstehen nicht selten auf dem Boden chronischer Konflikte. Eine Affäre kann Folge langer Entfremdung sein, aber auch deren Auslöser. Sexuelle Störungen wiederum betreffen nie nur den Körper, sondern immer auch Beziehung, Scham, Bindung und Kommunikation.
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Paartherapie bei sexueller Unlust

Wissenschaftlich gilt: Unterschiede im sexuellen Verlangen – sogenannte desire discrepancy – sind in Langzeitbeziehungen sehr häufig. Ein Positionspapier der International Society for the Study of Women’s Sexual Health beschreibt diese Diskrepanz ausdrücklich als häufiges Phänomen in Paarbeziehungen; eine qualitative Studie aus 2024 betont, dass belastende Unterschiede im Begehren gerade bei länger zusammenlebenden Paaren besonders konfliktträchtig werden.
1. Sexuelle Unlust in langjährigen Beziehungen – eines der häufigsten Beziehungsprobleme
Zu den häufigsten Beziehungsproblemen gehört ohne Zweifel der Verlust von Lust, Spannung und erotischer Lebendigkeit in langjährigen Partnerschaften.
Eine systematische Übersichtsarbeit von 2018 sichtete 64 Studien dazu, wie sexuelles Begehren in langfristigen Beziehungen erhalten bleibt. Das spricht indirekt eine klare Sprache: Das Thema ist so verbreitet, dass es längst ein eigenes Forschungsfeld ist. Die Literatur zeigt, dass Begehren nicht einfach „natürlich verschwindet“, sondern von Faktoren wie Autonomie, emotionaler Verbundenheit, Neuheit, Selbstwahrnehmung, Stress, Rollenverteilung und Beziehungsqualität beeinflusst wird.
Im therapeutischen Alltag wird sexuelle Unlust häufig vorschnell individualisiert: Eine Person „hat weniger Libido“. Das greift meist zu kurz. Oft geht es um einen erotischen Rückzug im Kontext von Überforderung, Enttäuschung, ungelösten Machtkonflikten, Elternschaft, fehlender Differenzierung oder stiller Verletztheit. Gerade in langjährigen Beziehungen wird Sexualität leicht zum Resonanzraum anderer Beziehungsthemen: Nähe und Distanz, Anerkennung, Kränkung, Schuld, Pflicht, Anpassung oder verdeckte Aggression.
2. Affären und Untreue – wenn Vertrauen erschüttert wird
Ein weiteres zentrales Thema unter den häufigsten Beziehungsproblemen sind Affären, Seitensprünge, emotionale Außenbeziehungen und digitale Grenzüberschreitungen.
Die wissenschaftliche Literatur zeigt, dass Untreue weder selten noch banal ist. Eine Übersicht aus 2023 beschreibt Affären als Ereignisse mit massiven emotionalen Folgen: akute Angst, depressive Symptome, schwere Vertrauenskrisen, Trennungsdrohungen und länger anhaltende psychische Belastungen können sowohl auf Seiten der betrogenen als auch der untreuen Person auftreten. Eine weitere Übersichtsarbeit zu Infidelity in romantic relationships fasst zusammen, dass Untreue multideterminiert ist – also nicht durch einen einzelnen Faktor erklärt werden kann, sondern durch ein Zusammenspiel aus individuellen, relationalen und situativen Bedingungen.
Wichtig ist dabei: Eine Affäre ist kein Beweis dafür, dass „nichts mehr da war“. Sie kann Ausdruck von Leere sein, von narzisstischer Bedürftigkeit, von ungelösten Bindungskonflikten, von sexueller Frustration, von Selbstwertthemen oder vom Versuch, abgespaltene Lebendigkeit zurückzuholen. Manche Affären entstehen aus chronischer Beziehungsferne, andere in Phasen von Überlastung, Kränkung oder Entwicklungsumbrüchen. Manche haben einen stark sexuellen Charakter, andere sind vor allem emotional.
In der Paartherapie bei Untreue geht es deshalb nicht nur um Schuldzuweisung. Zentral sind andere Fragen:
Was genau ist passiert?
Was wurde verletzt?
Was fehlte zuvor?
Welche Wahrheit wurde vermieden?
Und: Ist das Paar bereit, den Vertrauensbruch nicht nur moralisch, sondern psychologisch zu verstehen?
Für manche Paare ist eine Affäre das Ende. Für andere wird sie – so schmerzhaft das ist – zum Wendepunkt, an dem lange verdrängte Themen erstmals offen verhandelbar werden.
3. Sexuelle Störungen – wenn Sexualität zum Belastungsfaktor wird
Ein drittes großes Feld unter den häufigsten Beziehungsproblemen ist, dass eine Person eine sexuelle Störung erlebt. Das kann sich sehr unterschiedlich zeigen: Erektionsstörungen, Orgasmusstörungen, Schmerzen beim Sex, Vaginismus, sexuelle Unlust, Unsicherheit im Erleben von Erregung oder anhaltende Vermeidung von Sexualität.
Die Forschung zeigt, dass sexuelle Funktionsstörungen häufig sind. Eine 2024 veröffentlichte systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse kommt auf eine Prävalenz von etwa 31 % bei Männern und 41 % bei Frauen, weist aber zugleich auf deutliche methodische Unterschiede zwischen Studien hin. Damit ist klar: Sexuelle Störungen sind kein Randthema, sondern betreffen einen großen Teil der Bevölkerung.

Sexuelle Störungen aus Perspektive der Beziehungsdynamischen Paartherapie und Sexualtherapie
Aus beziehungsdynamischer Sicht ist entscheidend, dass sexuelle Störungen in Beziehungen fast nie nur ein technisches Problem sind. Natürlich können medizinische, hormonelle oder pharmakologische Faktoren eine Rolle spielen. Aber ebenso wichtig sind Scham, Leistungsdruck, frühe Bindungserfahrungen, Traumafolgen, unbewusste Konflikte, fehlende Sicherheit im Kontakt oder eine Sexualität, die zur Pflichterfüllung geworden ist. Genau deshalb ist es oft sinnvoll, nicht nur symptomzentriert, sondern relational zu arbeiten.
Ein Partner mit Erektionsstörung leidet häufig nicht nur an der Symptomatik selbst, sondern auch an Angst vor Versagen, Rückzug, Vermeidung und Scham. Eine Partnerin mit Schmerzen beim Sex erlebt oft einen inneren Konflikt zwischen Nähe, Anspannung, Selbstschutz und dem Wunsch, „zu funktionieren“. Der andere Partner reagiert darauf mit Unsicherheit, Kränkung oder Druck. So entsteht rasch ein Teufelskreis, in dem die Störung Teil der Paarstruktur wird.
4. Streitigkeiten in der Beziehung – wenn Kommunikation nur noch verletzt
Der vierte große Bereich sind Streitigkeiten. Viele Paare sagen zunächst einfach: „Wir streiten zu viel.“ Doch hinter diesem Satz steckt oft eine hochkomplexe Dynamik. Es geht nicht nur um Kommunikation, sondern um Bindungsangst, Macht, Kränkung, alte Verletzungen, unterschiedliche Regulationsweisen und projektive Prozesse.
Gottmans Forschung wird in diesem Zusammenhang häufig zitiert. Besonders bekannt sind die vier apokalyptischen Reiter – Kritik, Verachtung, Abwehr und Mauern/Stonewalling. Eine Übersichtsarbeit aus 2019 beschreibt diese Interaktionsmuster als stark mit Beziehungsbelastung verbunden; zudem wird häufig auf Gottmans Befund verwiesen, dass stabile Beziehungen in Konflikten deutlich mehr positive als negative Interaktionen zeigen, oft im Verhältnis von etwa 5:1.
Paartherapie bei permanenten Streitigkeiten
Aber auch hier gilt: Ein Streit ist selten nur ein Streit über den Abwasch, die Kinder oder den Urlaub. Oft geht es unbewusst um etwas anderes:
- Bin ich dir wichtig?
- Siehst du meine Not?
- Darf ich bei dir Einfluss haben?
- Muss ich mich zurücknehmen, um geliebt zu werden?
- Werde ich beschämt, wenn ich mich zeige?
Chronische Beziehungsprobleme durch Streit entstehen häufig dann, wenn Konflikte nicht mehr lösungsorientiert, sondern identitätsbedrohend erlebt werden. Dann wird jeder Dissens zur Reaktivierung alter Wunden. Das erklärt auch, warum Paare oft dieselben Konflikte in immer neuen Varianten wiederholen.
Was diese vier Problemfelder gemeinsam haben
Ob sexuelle Unlust, Affären, sexuelle Störungen oder Streitigkeiten: Diese Themen sind nicht bloß einzelne Defekte, sondern meist Ausdruck einer tieferen Beziehungslage. Genau darin liegt der Unterschied zwischen rein symptomorientierter Beratung und einer psychologisch fundierten Paartherapie oder Sexualtherapie.
Im beziehungsdynamischen Verständnis zeigt sich im Symptom oft die Struktur der Beziehung:
- wie Nähe reguliert wird,
- wie Aggression gebunden oder abgewehrt wird,
- wie unbewusste Loyalitäten wirken,
- wie alte Erfahrungen in der Partnerschaft aktualisiert werden,
- und wie Sexualität zum Spiegel des „Dazwischen“ wird.
Deshalb ist es wenig hilfreich, nur zu fragen: „Wie bekommen wir wieder mehr Sex?“ oder „Wie hört der Streit auf?“ Die eigentliche Frage lautet oft: Was geschieht zwischen uns, dass genau dieses Symptom entstehen musste?
Wann professionelle Hilfe sinnvoll ist
Viele Paare warten zu lange. Sie hoffen, dass sich Beziehungsprobleme von allein lösen. Manchmal tun sie das. Häufig verfestigen sie sich jedoch. Hilfe ist besonders sinnvoll, wenn:
- dieselben Konflikte immer wiederkehren,
- Vertrauen nach einer Affäre schwer erschüttert ist,
- Sexualität zum Dauerthema oder Tabu geworden ist,
- Rückzug, Resignation oder Verachtung zunehmen,
- ein Partner sich innerlich bereits verabschiedet,
- oder psychische Belastungen und alte Traumadynamiken die Beziehung überformen.
Gerade bei den häufigsten Beziehungsproblemen kann professionelle Begleitung verhindern, dass sich aus einer Krise eine chronische Entfremdung entwickelt.
Die häufigsten Beziehungsprobleme sind oft Türöffner zu etwas Tieferem
Die häufigsten Beziehungsprobleme sind in der Regel nicht banal und auch nicht zufällig. Besonders oft geht es um sexuelle Unlust in langjährigen Beziehungen, Affären, sexuelle Störungen und Streitigkeiten. Diese Themen tauchen auch im Institut für Beziehungsdynamik immer wieder auf – und sie zeigen, wie eng Sexualität, Bindung, Konflikt, Scham, Aggression und Nähe miteinander verbunden sind.
Wer unter solchen Dynamiken leidet, hat nicht „versagt“. Häufig ist die Krise vielmehr ein Hinweis darauf, dass bisherige Muster an ihre Grenze gekommen sind. In einer guten Paartherapie oder Sexualtherapie geht es deshalb nicht um schnelle Tricks, sondern um Verstehen, Entlastung und Veränderung auf einer tieferen Ebene.
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Wissenschaftliche Quellen
- Mark, K. P., Muise, A., Herbenick, D., Sanders, S. A., & Graham, C. A. (2020). Sexual Desire Discrepancy: A Position Statement of the International Society for the Study of Women’s Sexual Health.
- Muise, A., Maxwell, J. A., & Impett, E. A. (2018). Maintaining Sexual Desire in Long-Term Relationships: A Systematic Review and Conceptual Model.
- Arenella, K., et al. (2024). Desire discrepancy in long-term relationships: A qualitative study.
- Rokach, A., & Chan, S. H. (2023). Love and Infidelity: Causes and Consequences.
- Fincham, F. D., & May, R. W. (2017). Infidelity in romantic relationships.
- Ramírez-Santos, J., et al. (2024). The problem of calculating the prevalence of sexual dysfunction: systematic review and meta-analysis.
- Beeney, J. E., et al. (2019). The Emotional Bank Account and the Four Horsemen in Couples.
