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Zwei Jahre

Zwei Jahre umspannt die Ausbildung zum Paar- und Sexualtherapeuten hier am Institut für Beziehungsdynamik in Berlin. Berlin, so lautet mein Kürzel für das Institut und seine Fortbildungen, hat mich bereits einmal geprägt. Das war in der Ausbildung zum Körpertherapeuten. Ein Game-Changer. Einer der entscheidenden Wendepunkte meines Lebens. So bin ich auch auf die Fortbildung bei Vibuthi und Ananda aufmerksam geworden und habe zuhause davon erzählt.
„Das wäre doch was für Dich“, sagt meine Frau und ich bin sofort elektrisiert. Ja, das klingt nach Begeisterung und Leidenschaft, nach dem großen Thema, zu dessen Verfolgung endlich mal nicht Disziplin den Weg bahnt, sondern die eigene Neugier. Für alle die es kurz mögen, bisher haben sich meine Erwartungen erfüllt.
Also wieder Berlin, wieder eine neue Gruppe. Ganz anders als die erste. Wir sitzen auf Stühlen! Dieser Kurs ist intensiv, herausfordernd und tiefgreifend. Aber er lässt es sich nicht sofort anmerken. Er geht es langsam an, kommt erst harmlos daher, beschnuppert uns ein wenig und fängt ganz langsam an zu flirten. Zwei Jahre, das ist Zeit genug. Da darf eine Beziehung sich entwickeln. Und so führt die Fortbildung mich durch alle Höhen und Tiefen. Ich habe gelacht und geweint, mich gefreut und geärgert und natürlich habe ich mich auch verliebt.
Und was hat es gebracht? Alles! Nie war mir so klar wer ich in Beziehung bin und was ich dort erhoffe. Nie war ich auch nur annähernd so sicher darüber, was der Kern meines sexuellen Wesens ist und nie habe ich mich weniger dafür geschämt. Ich kann mich heute meinen liebsten Menschen zumuten und offen kommunizieren wo ich stehe und was ich will. Und nicht nur, dass ich mich dabei selbst aushalte, ich halte auch mein Gegenüber aus, mit ihren verborgenen Wünschen und Ängsten, mit ihrer Trauer, ihrer Wut und, vielleicht das Schwerste für mich, mit ihrer Liebe.
Vibuthi und Ananda haben einen Rahmen aufgespannt, in dem die vielleicht aufregendste Entwicklung meines Lebens stattfinden konnte. In gewisser Weise haben sie mich, immerhin Mitte 50 und gut zwei Zentner schwer, zu einem selbstbewussten Mann gemacht. Inzwischen traue ich mir nicht nur zu, damit auch anderen Menschen als Entwicklungshelfer zu dienen, ich will es auch. Die Weichen sind gestellt. Seit gestern bin ich als Therapeut online.

Volker Richter, Leipzig