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Machtvolle Männerphantasien

Im Rahmen seines paartherapeutischen Prozesses, schrieb ein Mann folgende sexuellen Phantasien auf:   Ich habe die unterschiedlichsten erotischen Phantasien. Ich denke überhaupt häufig an Sex. Meine beiden erotischsten Phantasien sind sich sehr ähnlich. In der einen kann ich mich unsichtbar machen und in der zweiten kann ich die Zeit anhalten. Die beiden Phantasien hatte ich schon während des Übergangs von der Grund- in die Oberschule; da war ich ungefähr 12. Seit ich so um die 23 Jahre alt war, habe ich aber kaum noch eigenständige sexuelle Phantasien gehabt. Vielmehr habe ich mich mit Pornos stimuliert; hauptsächlich Fotos aus dem Internet, aber teilweise auch mit Filmen, die ich in Sex-Shops gekauft habe Seit ich mit meiner neuen Freundin zusammen bin, schaue ich kaum noch Pornos und wenn, dann nur Soft-Pornos, die ich mit ihr zusammen gucke. Deshalb nutze ich inzwischen wieder öfter meine Phantasien, um mich zu stimulieren. Allerdings hatte ich noch nie eine Phantasie, die mich so stark erregte, dass ich gekommen bin. Die Lust ist zwar deutlich gesteigert und wenn ich mir in diesem Zustand einen runterhole, dauert es in der Regel nicht mehr lang, aber von einer Phantasie allein – wie es manche Männer berichten – komme ich noch nicht. Ich stelle mir vor, dass ich mich unsichtbar machen kann. Ich konzentriere mich nur einmal kurz darauf und bin dann solange unsichtbar, bis ich mich auf das Sichtbarwerden konzentriere. Ganz einfach. Ich bin zwar unsichtbar, aber nicht entmaterialisiert. Das heißt, ich bin da, aber niemand sieht mich. Wenn ich unsichtbar bin, gehe ich Frauen nach. Es sind aber alles Frauen, die ich zumindest vom Sehen kenne. Eine unbekannte Frau kann ich mir aber nicht vorstellen. Ich begleite sie bis in ihre Wohnung hinein. Sie kommen erst einmal in ihrer Wohnung an und nehmen dann eine Dusche oder ein Bad. Ich beobachte sie die ganze Zeit, aber ich berühre sie nicht. Sie ziehen sich mal schnell, mal langsam aus und stehen mehr oder weniger lange nackt vor der Dusche oder der Wanne bevor sie einsteigen. Wenn sie dann duschen oder in der Wanne liegen, nähere ich mich langsam bis ich ganz dicht an ihnen dran bin. Dann berühre ich sie sachte: an den Schenkeln, an den Brüsten, am Po, an der Yoni… wo immer ich gerade Lust habe. Sie spüren meine Berührungen. Meistens sind sie erst erschrocken und erdulden dann meine Berührungen mit einer Mischung aus Angst und Erregung. Ich streichle dann großflächiger über ihren Körper und treibe sie damit zum Höhepunkt. Wenn ich die Frauen nicht nach Hause begleite, dann in eine Sauna, einen Whirlpool oder ein normales Schwimmbecken. Dort spielt sich dann dasselbe ab, wie auch im Bad. Daneben gibt es aber auch viele andere Settings, aber der Ablauf ist meistens derselbe und variiert nur leicht. In der zweiten Phantasie kann ich die Zeit anhalten. Meine gesamte Umwelt erstarrt mitten in der Bewegung. In dieser Erstarrung kann ich mich als einziger bewegen. Manchmal kann ich Mitmenschen aus der Erstarrung holen, indem ich mich kurz darauf konzentriere. Meistens aber erstarren alle und können sich nicht bewegen, bis ich die Zeit wieder laufen lasse. Ich halte die Zeit zu den unterschiedlichsten Zeiten an; häufig in dem Moment an, in dem eine Frau die mich interessiert den Raum betritt, indem ich mich gerade befinde (wenn ich Tagträume) oder früher am Tag befunden habe (wenn ich abends den Tag reflektiere). Ich stelle mir dann vor, wie ich mich ihr nähere und sie dann so weit es geht ausziehe. Da sie ja in der Bewegung erstarrt ist, kann ich sie nie vollständig ausziehen. Aber einen Großteil ihres Körpers kann ich bloßlegen. Ich berühre sie dann an ihrem Oberkörper, besonders ihren Brüsten, aber auch überall woanders, von der Wade über die Oberschenkel bis hin zum Po, über den Rücken bis hin zum Nacken, am Hals und dem Dekolletee bis zu den Brüsten. Dort verweile ich ein wenig und lasse meine Hände dann meine Handfläche ihren Venushügel hinab zu den Schamlippen gleiten. Ich dringe nicht in sie ein, weder mit meinen Fingern noch mit meinem Lingam. Ich erfreue mich nur an der Berührung mit meinen Händen und gelange so in einen lustvollen Erregungszustand.

Gewalt in der sexuellen Phantasie von Frauen von Isabelle Azoulay

Isabelle Azoulay, Brandes u. Apsel, Frankfurt a.M. 1996, 157 Seiten, zahlreiche Abbildungen
Rezension in “Zeitschrift für Sexualforschung“, Jg 12, Heft 2, September 1999 Zitat: “Azoulay macht deutlich, daß sich auch die weibliche Phantasie (…) zielstrebig, großzügig und nicht zimperlich gewaltgeladener Bilder bedient.